Vorträge und Artikel der Stiftung Kienhorstpark i. E. - Safe Housing for Women
Vortrag Solidarisches Wohnen gegen Gewalt und Ausgrenzung
am 26.2.2026 auf der Veranstaltung "Das soziale Menschenrecht auf Wohnen" der Eberhard-Schultz-Stiftung, Berlin-Kreuzberg
Vortrag mit Workshop zu Frauen, Gewalt und unserem Wohnprojekt
am 19.6.2026 auf dem Zusammen Leben-Festival in Stuttgart)
(Vortrag Solidarisches Wohnen)
Vortrag und Workshop zum Thema "Frauen / Gewalt / Obdachlosigkeit
am 19.3.2026, Frauengruppe auf dem Netzwerktreffen der Wohnungslosen Stiftung in Augsburg
Projektvorstellung in der Viktori, Kiezzeitung des AVA-Kiezes in Berlin-Tegel
Ausgabe 23 (Frühjahr 2026)
Solidarisches Wohnen gegen Gewalt und Ausgrenzung
Wenn wir über Wohnen sprechen, sprechen wir nicht über Luxus, sondern über ein Menschenrecht. Der UN-Sozialpakt (Art. 11) besagt eindeutig: Jeder Mensch hat das Recht auf einen adäquaten Lebensstandard, einschließlich Unterbringung. Seit 2018 ist außerdem der Schutz von Frauen vor Gewalt in Deutschland nach der Istanbul-Konvention Gesetz.
Sie verpflichtet unseren Staat zum umfassenden Opferschutz für gewaltbetroffene Frauen und zum Safe Housing.
Diese Menschenrechte werden jedoch tagtäglich gebrochen. Über 200.000 Frauen sind in Deutschland aktuell wohnungslos. Mindestens 7.000 von ihnen leben schutzlos auf der Straße.
Frauen machen 43 Prozent aller wohnungslosen Menschen aus. Und die Dunkelziffer ihrer verdeckten Wohnungslosigkeit ist riesig: Sie kommen oft bei Bekannten unter, häufig in ausbeuterischen oder gewaltvollen Abhängigkeiten, nur um nicht auf der Straße schlafen zu müssen.
Vorsicht Trigger
Was noch mehr erschüttert: Die Hauptursache für die Wohnungslosigkeit von Frauen ist Gewalt. Jede zweite wohnungslose Frau erlebte sie in ihrer Kindheit, über ein Drittel im Erwachsenenalter. Über 265.000 Fälle häuslicher Gewalt pro Jahr sind in Deutschland ein trauriger Höchststand.
Mehr als 16.300 Fälle des sexuellen Kindesmissbrauchs sind allein offiziell belegt. Diese Gewalttaten zerstören nicht nur die Seelen der Betroffenen, sie zerstören ihre Biografien und ihre ökonomische Existenz.
Missbraucht, geschlagen und auf der Straße: Für diese Frauen gibt es, sofern überhaupt Plätze frei sind, nur Übergangswohnungen und betreutes Wohnen auf Zeit.
Aus Initiativen entstandene Projekte wie die Berliner GEBEWO ihrem Frauenhaus „FrauenbeDacht“ oder die PROWO leisten dabei Unverzichtbares. Sie stoßen aber an ihre Grenzen. Ihre Übergangswohnungen und therapeutischen WGs sichern den Betroffenen ein Überleben auf Zeit, aber kein dauerhaftes Zuhause.
Dazu gibt es die Housing-First-Beratungsstellen, die hervorragende Vermittlungsarbeit leisten. Doch vermitteln sie leider nur in fremde Bestände, weswegen jahrelange Wartelisten bestehen.
Die Frauen verbringen oft über Monate in Frauenhäusern, Sammelunterkünften oder auf der Straße. Was für sie fehlt, ist die Option, sich sofort in ein unbefristetes Mietverhältnis zu begeben, um die Wohnungslosigkeit
endgültig zu beenden.
Allein die Hannoversche Stiftung „Ein Zuhause“ unter dem Dach der Diakonie vermittelt Bürger/innen der Stadt ohne Obdach seit 2018 eigene Wohnungen.
Hier setzen wir mit unserem Projekt Stiftung Kienhorstpark i. E. an. Seit 2012 verwandeln wir als selbst von Gewalt betroffene Frauen und Angehörige unsere Vision in Wohnraum: Dafür zu sorgen, dass keine Frau, die Opfer von Gewalt wurde, mehr auf der Straße lebt.
9 Wohneinheiten haben wir bereits realisiert und damit für über 20 Frauen und Angehörige verlässlichen Wohnraum geschaffen.
Unsere Wohnungen sind zu 100 % aus Eigenmitteln und mit unseren Händen entstanden– ohne Bauförderung, Zuschüsse, Erbschaften oder Spenden. Wir bewirtschaften uns rein aus unseren Mieteinnahmen.
Da wir immer wieder Anfragen von Frauen erhalten, die wir nicht unterbringen können, suchen wir jetzt Co-Investor/innen, die Lust haben, sich unserer Vision anzuschließen.
Ob als Wohnprojekt, als Genossenschaft oder als Zustifter/in privater Immobilien, die ihr selbst bewohnt beziehungsweise sozial vermietet.
Meldet Euch bei uns. Denn wenn wir viele sind, können wir eine gemeinnützige Stiftung errichten.
Lasst uns gemeinsam und füreinander Wohnraum schaffen, der keine Frau und keine Familie nach der Gewalt zurücklässt!
Vorsicht Trigger
Vortrag und Workshop zum Thema "Frauen / Gewalt / Obdachlosigkeit und Wohnen
am Do, 19.3.2026 auf dem Netzwerktreffen "Gemeinsam mehr erreichen" der Wohnungslosen_Stiftung (Frauengruppe) in Augsburg (18.-21.3.2026).
"Was man nicht weiß, macht einen nicht heiß? – Über das späte Erinnern“
(Anonymer Beitrag aus dem Betroffenenrat des Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM)
„Ich habe über vierzig Jahre lang ein Leben geführt, das sich im Nachhinein wie das Leben einer Fremden anfühlt. Wenn man mich gefragt hätte, wie meine Kindheit war, hätte ich geantwortet: ‚Normal. Unauffällig. Ein bisschen streng vielleicht.‘
Ich wusste nichts. Mein Gehirn hatte ganze Jahrzehnte einfach weggeschlossen. Heute weiß ich, dass man das Dissoziation nennt. Damals fühlte es sich einfach nur wie ein leichter, permanenter Nebel an, in dem ich mich bewegte. Ich war funktionsfähig, ich hatte einen Job, ich war verheiratet. Aber ich war nie wirklich ‚da‘. Ich war wie abgespalten von meinem eigenen Körper.
Die Wahrheit kam nicht als Erinnerung zurück, sie kam als Zusammenbruch. Mein Körper fing an zu zittern und hörte nicht mehr auf. In der Therapie, die dann folgte, lichtete sich der Nebel – ganz langsam und unter furchtbaren Qualen. Es war, als würde eine Mauer einstürzen, hinter der alles aufbewahrt worden war: Die Gewalt, der jahrelange Missbrauch durch meinen Vater, das Schweigen der Mutter.
Jahrzehntelang begriff ich nicht, warum ich in bestimmten Situationen keine Luft bekam, warum ich Berührungen nicht ertrug. Ich hielt mich einfach für ‚kompliziert‘ oder ‚empfindlich‘. Dass ich als Kind eine Überlebensstrategie entwickelt hatte, die darin bestand, mich innerlich zu verlassen, wurde mir erst klar, als ich die Worte dafür fand.
Spätes Erinnern ist keine Gnade. Es ist eine Erschütterung des gesamten Fundaments. Aber es ist der einzige Weg, um aus dem Nebel herauszutreten und endlich ein eigenes, echtes Leben zu beginnen. Heute weiß ich: Was man nicht weiß, macht einen vielleicht nicht ‚heiß‘ – aber es bringt einen langsam um, weil man nie ganz lebendig ist.“
Dies fasst besser als alle eigenen Worte zusammen, wie es vielen von uns geht. Vielleicht haben andere auch andere Erinnerungen. Ich habe diese Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, damit wir uns geschützt austauschen können über unsere Erfahrungen von Gewalt, die relevant waren oder sind für unsere Armut, unsere Erwerbsunfähigkeit und/oder Obdachlosigkeit.
- Ich möchte nicht in einen Chor von Opfergesängen einstimmen. Wir sollten uns besinnen auf das, was uns passiert ist, um unsere Rechte einzufordern. Kinder und erwachsene Kinder sind unschuldig. Sie sind schuldlos ihrer Lebensfunktionen beraubt worden. Ihnen steht Hilfeleistung durch den Staat zu, ob als Safe Housing, als sicheres bedingungsloses Grundeinkommen oder geschützter, freiwilliger zweiter Arbeitsmarkt. Diese Forderungen müssen wir erheben und einfordern. Wenn nicht hier und jetzt, wann dann?
- Ich habe eine Studie eingesehen über die Zusammenhänge zwischen Gewalt, Armut und Wohnungslosigkeit. Sie erschien schon 2011 in Graz. Julia Wagner belegt darin ausführlich diese Zusammenhänge.
- Ich stelle sie euch zusammengefasst vor, unter Berücksichtigung aktueller Aspekte und daraus abzuleitender Forderungen.
1. Zusammenhang: Gewalt, Armut und Wohnungslosigkeit
Die Studie belegt, dass Gewalt eine zentrale Biografie-Komponente ist: Jede zweite wohnungslose Frau erlebte (belegt!!!) Gewalt in der Kindheit; über ein Drittel litt auch im Erwachsenenalter darunter (p. 7). Gewalt führt oft zu psychischen und physischen Erkrankungen, die wiederum das Risiko für Armut und den Verlust der Wohnung massiv erhöhen (pp. 10, 22). Während bei Frauen oft Beziehungskonflikte und Flucht vor dem Partner zum Wohnungsverlust führen, sind es bei Männern häufiger Entlassungen aus Institutionen (z. B. Haft) (pp. 10, 34).
2. Krankheitsbilder nach sexuellem Kindesmissbrauch
Die Arbeit nennt als Folgen schwerer Gewalterfahrungen (einschließlich sexualisierter Gewalt) (pp. 22, 24):
- Psychisch: Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), Depressionen, Schlafstörungen, Ängste und gestörtes Selbstwertgefühl.
- Physisch: Chronische Schmerzen, psychosomatische Beschwerden und Verletzungsfolgen.
- Verhalten: Erhöhtes Risiko für Abhängigkeitserkrankungen (Drogen, Alkohol), die oft als Selbstmedikation dienen, aber die soziale Isolation verstärken (p. 22).
3. Erlebte Biografie-Phasen
- Kindheit: Geprägt von Misstrauen gegenüber Schutzfunktionen, Leistungsstörungen in der Schule und oft „Überangepasstheit“ oder Aggressionspotenzial (p. 24).
- Jugend/Erwachsenenalter: Es droht eine Gewaltspirale. Frauen, die als Kinder Gewalt sahen, erleben im Erwachsenenalter doppelt so häufig Partnergewalt (p. 22). Viele verbleiben aus ökonomischer Abhängigkeit oder "gelernter Hilflosigkeit" lange in diesen Beziehungen (pp. 15-16).
4. Erwerbsfähigkeit und Stabilität
Die Daten zeigen eine hohe Instabilität: 90 % der befragten Wohnungslosen sind arbeitslos, knapp die Hälfte hat keine abgeschlossene Berufsausbildung (p. 34). Die kumulierten Belastungen (Krankheit, fehlende Ressourcen) führen oft zu einer langfristigen Erwerbsunfähigkeit, wobei Männer im Schnitt länger betroffen sind als Frauen (p. 34).
5. Wege in die Obdachlosigkeit
Häufigste Auslöser sind (pp. 31, 34):
- Mietrückstände/Räumungen (ca. 30 %).
- Trennung/Scheidung (ca. 23 %).
- Flucht vor Gewalt (bei 26,8 % der Frauen der Hauptgrund).
Besonders Frauen landen oft erst in der "verdeckten Wohnungslosigkeit" (Notgemeinschaften bei Bekannten), bevor sie das Hilfesystem aufsuchen (pp. 31-32).
6. Hilfe durch Safe Housing (Wohnung zuerst)
Obwohl die Arbeit den Begriff "Safe Housing" nicht explizit als Modell prüft, betont sie, dass ein sicherer Rückzugsraum die Voraussetzung ist, um Würde und Selbstachtung nach Gewalterfahrungen zurückzuerlangen (p. 36). Nur wer sicher wohnt, kann psychotherapeutische Hilfe (z. B. durch das FEM-Zentrum) dauerhaft annehmen (p. 36).
7. Begleithilfen zur Autonomie-Wahrung
Um den Verlust der Autonomie durch stationäre Heime zu verhindern, sind niederschwellige, aufsuchende Hilfen (Liaisondienste) essenziell (pp. 35, 38). Diese müssen direkt in den Wohnraum kommen (z. B. Psychiater, Sozialarbeiter), da die Hemmschwelle, selbst Praxen aufzusuchen (aus Scham oder Angst vor Abweisung), oft zu hoch ist (p. 35).
8. Defizit der Jobcenter (Hypothese)
Die Studie deutet an, dass Mitarbeiter im Regelsystem oft überfordert sind, Gewalterfahrungen hinter "unklaren Angaben" oder "Verhaltensauffälligkeiten" zu erkennen (p. 25). Ohne spezifische Schulung wird das Verhalten als mangelnde Kooperation missverstanden, statt es als Folge eines Traumas (z. B. Bindungsstörung) zu begreifen (pp. 24-25).
9. Schwierigkeit der Organisation
Die Betroffenen leiden oft unter sozialer Isolierung und einem tiefen Misstrauen gegenüber Institutionen (pp. 22, 38). Schamgefühle bezüglich der eigenen Biografie verhindern zudem oft den Zusammenschluss oder das Einfordern von Rechten (p. 25).
10. Politische Ableitungen & Forderungen
Basierend auf der "defizitären Situation individueller Ressourcen" (p. 7) lassen sich Julia Wagners Vorschläge wie folgt stützen:
- Wohnraum: Ausbau von geschlechtsspezifischen Übergangs- und Dauerwohneinrichtungen, da Frauen oft in prekären Zweckgemeinschaften "unsichtbar" bleiben (p. 32).
- Zweiter Arbeitsmarkt: Notwendig, da der Leistungsdruck der "Wirtschaft" die gesundheitlichen Einschränkungen (PTBS, Depression) oft ignoriert (p. 22).
- Grundeinkommen: Würde den massiven Druck der "Gängelung" (Sanktionen) nehmen, der bei traumatisierten Menschen oft zu weiterer Destabilisierung führt (p. 24).
Möchtet Ihr über Eure Erfahrungen berichten, um daraus gemeinsame Forderungen fürs Plenum abzuleiten? Oder soll ich zunächst etwas zu unserer Wohn-Initiative für Betroffene und ihre Forderungen sagen?
Oder möchtet ihr noch wissenschaftliche Zusatzinformationen? Ich habe die Studie mit Hilfe der KI in Gegenüberstellung zu allgemeinen Studien der Gewalt an Frauen ausgewertet. Leider bestätigt der statistische Vergleich, dass obdachlose Frauen überproportional von Gewalt betroffen sind, in Österreich wie in Deutschland, und dass die Anzahl der Betroffenen rasant zunimmt.
Die Daten der Masterarbeit von Julia Wagner (2011), die auf Befragungen im Wiener neunerhaus basieren, zeigen im Vergleich zu zeitgleichen Erhebungen der Allgemeinbevölkerung (wie der ÖIF-Prävalenzstudie 2011) eine dramatische Überrepräsentation von Gewalterfahrungen bei wohnungslosen Frauen.
Gegenüberstellung der Datenauswertung (ca. 2011)
Hier ist eine kurze Gegenüberstellung der Ergebnisse der Studie mit den damaligen österreichweiten bzw. Wiener Statistiken:
| Kategorie | Wohnungslos (Wagner/neunerhaus 2011) | Allgemeinbevölkerung (ÖIF 2011 / FRA 2012/14) (Datensätze von 2012, Studie von 2014)
| Gewalt im Erwachsenenalter (Frauen) | 54,8 % | ca. 20 % (physisch/sexuell ab 15 J.)
| Gewalt in der Kindheit (Frauen) | 54,8 % (oft/gelegentlich) | 31 % (FRA 2012) bis 72,8 % (ÖIF, inkl. psych. Gewalt)
| Re-Viktimisierung (Kindheit & Erw.-Alter) | 39,0 % (nur Frauen) | Deutlich geringer (Kontinuität ist seltener)
| Gewalt als Ursache für Wohnungsverlust | 29,0 % (Frauen) | In der Allgemeinbevölkerung kaum messbar
Analyse der Korrelation und Abweichungen
- Signifikant höhere Betroffenheit: Die Rate der Gewalt im Erwachsenenalter liegt bei wohnungslosen Frauen mit knapp 55 % mehr als doppelt so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung (ca. 20–25 % laut Müller/Schröttle bzw. FRA-Studie).
- Gewalt als „Wohnungslosigkeits-Falle“: Während in der Allgemeinbevölkerung Gewalt oft im Verborgenen bleibt, ist sie bei den neunerhaus-Klientinnen eine direkte Ursache für den Wohnungsverlust. 29 % der Frauen gaben an, ihre Wohnung aufgrund von Konflikten mit Partnern, Eltern oder Freunden verlassen zu haben.
- Kindheitstraumata: Die Studie zeigt, dass eine „schwere Kindheit“ ein massiver Risikofaktor für spätere Wohnungslosigkeit ist. 54,8 % der Frauen und 45,7 % der Männer im neunerhaus erlebten oft oder gelegentlich Gewalt in der Herkunftsfamilie. Die ÖIF-Studie 2011 nennt zwar mit 72,8 % (Frauen) höhere Gesamtzahlen für jegliche Form von Gewalt (inkl. psychischer), doch die Intensität und die Folgen (Heimaufenthalte, Flucht) sind in der neunerhaus-Gruppe deutlich gravierender.
- Geschlechterunterschiede: Bei Männern ist Gewalt seltener die Ursache für Wohnungslosigkeit (17 % vs. 29 % bei Frauen), aber sie sind in der Kindheit ähnlich stark betroffen.
Fazit für Wien
Die Studie belegt, dass die Wiener Wohnungslosenhilfe (neunerhaus) eine Klientel betreut, deren Gewaltbiografie weit über dem gesellschaftlichen Durchschnitt liegt. Die Abweichung ist bei Frauen besonders markant: Wohnungslosigkeit ist hier oft die letzte Konsequenz einer lebenslangen Gewaltkette.
Hinweis: Die zeitgleiche EQUAL-Studie (ebenfalls in der Arbeit zitiert) stützt diese Befunde mit einer gemessenen Gewaltbetroffenheit von 47 % unter wohnungslosen Menschen in Wien.
Aktuelle Datenlage Deutschland im Vergleich (ca. 2020–2025)
Die Korrelation zwischen Wohnungslosigkeit und Gewalt ist in Deutschland ebenso signifikant wie in Wien, wobei die Zahlen der Betroffenen in Fachbefragungen oft noch höher liegen als in der allgemeinen Statistik.
| Kategorie | Wohnungslos (Deutschland, aktuell) | Allgemeinbevölkerung (LeSuBiA-Studie 2026)
| Gewalterfahrung gesamt (Frauen) | ca. 80 % (BAG W 2020) | ca. 20 % (Partner-Gewalt 5 Jahre)
| Sexualisierte Gewalt | Nahezu jede Frau (Betroffenen-Berichte) | 11,2 % (Lebenszeit)
| Ursache: Gewalt durch Partner | 7 % (in Breitenbefragung genannt) | 0,5 % (bei Männern als Ursache)
| Verdeckte Wohnungslosigkeit | 74 % der Frauen (oft in Gewalt-Abhängigkeit) | Nicht zutreffend
Wichtige aktuelle Studien für Deutschland
- BAG W Befragung (2020): Eine gezielte Befragung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe ergab, dass ca. 80 % der Frauen in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe Gewalt erfahren haben. Dies übersteigt die Wiener Zahlen von 2011 deutlich und unterstreicht die Schwere der Problematik in Deutschland.
- Dunkelfeldstudie LeSuBiA (2026): Diese aktuellste Studie zur Allgemeinbevölkerung zeigt, dass etwa jede fünfte Frau (20 %) in den letzten fünf Jahren Opfer von körperlicher oder psychischer Gewalt in (Ex-)Partnerschaften wurde. Im Vergleich dazu ist das Risiko für wohnungslose Frauen, Opfer von Gewalt zu werden, etwa viermal so hoch.
- Wohnungslosenbericht der Bundesregierung (2024/2025): Der Bericht stellt fest, dass Frauen deutlich häufiger als Männer Gewalt in der Partnerschaft als direkten Auslöser für den Wohnungsverlust nennen (7 % vs. 0,5 %). Zudem leben 74 % der wohnungslosen Frauen in „verdeckter Wohnungslosigkeit“, also bei Bekannten oder in Zweckgemeinschaften, was sie oft neuen, ausbeuterischen Gewaltverhältnissen aussetzt.
- RKI-Analyse (2025): Das Robert Koch-Institut klassifiziert „instabiles Wohnen“ (Unstable housing) explizit als Gesundheitsrisiko, das eng mit psychischen Erkrankungen und Verletzungen verknüpft ist.
Liebe Teilnehmende, uns zusammenhalten, um unsere Interessen durchzusetzen und diese unwürdigen Zustände zu beenden. Lasst uns gemeinsam für ein gewaltfreies Leben und für sicheres Housing streiten! Vielen Dank.
Sicheres Wohnen nach Gewalt und Obdachlosigkeit: Das Projekt Stiftung Kienhorstpark i. E. - Safe Housing for Women
Projektvorstellung im Viktori-Stadtteilmagazin des AVA-Kiezes Berlin-Tegel,Ausgabe 1 /2026 (Frühjahr)
Ein sicheres Zuhause ist für die meisten von uns Normalität. Auch in unserem Kiez ist es jedoch nicht für alle selbstverständlich: Spuren und Hinterlassenschaften in Parks und an Straßen weisen darauf hin, dass hier genächtigt wurde – ohne Obdach, Wände oder Tür, ohne Bett, Wasser, Strom oder Heizung.
Direkt in unserer Nachbarschaft, genauer gesagt am Kienhorstgraben, entstand 2012 eine Initiative, die es sich zum Ziel setzt, speziell Frauen ohne Obdach ein würdevolles neues Zuhause zu schaffen: Die Stiftung Kienhorstpark i. E.. Das Kürzel steht für „im Entstehen“ - denn bis zur eingetragenen Stiftung ist es noch ein langer Weg ...
Wie alles begann: Ein Aufbruch aus eigener Perspektive
Am Anfang stand ein Wegzug aus dem geliebten Kiez aus Gründen der Arbeitssuche.
Als wir 2009 wiederkamen und in Reinickendorf wohnen wollten, standen wir quasi vor dem „Nichts“: In der damals schon angespannten Wohnungssituation konnten wir ohne verlässliche Einkünfte kaum mieten. Unsere letzten Ersparnisse ermöglichten uns einen ersten Wohnungserwerb – einen Baustein für die Rückkehr in unsere Heimat. Unsere Mieterin: Wie wir eine von Gewalt Betroffene, die es schwer hatte, eigenen Wohnraum zu finden.
Im Laufe der Jahre kamen 8 weitere Wohnungen dazu, durch An- und Verkäufe, Renovierungen aus eigener Hand und soziale Vermietung, deren Erlöse wir jeweils in neue Wohnungen steckten Mit uns im Boot: Frauen, die keine Chance auf Wohnraum hatten und denen wir neue Perspektiven gaben durch einen unbefristeten Mietvertrag. Trotz Verschuldung, Arbeits- und Obdachlosigkeit. Unser Ziel: Eine gemeinnützige Stiftung zu initiieren, damit keine Frau, die Gewalt erlebt hat, mehr auf der Strecke bleibt.
Hinter Wohnungslosigkeit steckt häufig Gewalterfahrung
Hinter unserem Projekt steht eine erschütternde Realität, die wir während unserer Projektarbeit immer deutlicher vor Augen hatten: In Deutschland sind aktuell fast 200.000 Frauen wohnungslos. Frauen machen 43 % aller wohnungslosen Menschen aus. Und die Statistik zeigt nur die Spitze des Eisbergs. Das Problem der „verdeckten Wohnungslosigkeit“ ist riesig: Frauen landen oft in ausbeuterischen Abhängigkeiten, nur um nicht auf der Straße schlafen zu müssen. Doch was noch viel schlimmer ist: 54,8 % der wohnungslosen Frauen (also mehr als jede zweite) waren in ihrer Kindheit Opfer von Gewalt in ihren Familien. Eine Vielzahl erlebt sie erneut in der Partnerschaft – und 29,0 % aller Frauen, die obdachlos wurden, verloren ihre Wohnung aufgrund von Gewalt durch den Partner, seitens ihrer Eltern oder Freunde.
Die Zahlen der Gewalt gegen Frauen steigen und ebenso die Wohnungslosigkeit: Allein in Reinickendorf suchen jedes Jahr über 1.000 Frauen Schutz vor Gewalt im eigenen Zuhause. Bei einer Dunkelziffer von 80 % dürften über 5.000 betroffen sein. Zwischen 1.100 und 1.300 Frauen sind in Reinickendorf laut Erhebungen der Wohnungsnotfallhilfe wohnungslos. Die Wartelisten beim Housing First sind lang - Grund, unser Projekt weiter voranzutreiben.
Ohne Ihre Hilfe geht es nicht
Wir haben über 20 bedürftige Frauen und Angehörige mit Wohnraum versorgt. Nun benötigt unser Projekt Ihre Unterstützung. Vermieten Sie selbst sozial und möchten sich uns anschließen? Sprechen Sie uns an, wir reden dann gemeinsam über die Stiftungsgründung.
Auch wenn Sie / Du Lust haben, mitzumachen bei unserem Safe Housing für Frauen, meldet Euch! Wir sind eine aktive WhatsApp-Gruppe, die Ratsuchende berät, sich regelmäßig trifft und sich über das Projekt austauscht. Wir stehen in Kontakt mit dem Frauensalon der Wohnungslosen_Stiftung, dem ersten bundesweiten Netzwerk wohnungsloser Frauen.
Besuchen Sie uns im Netz auf stiftung-kienhorstpark.jimdosite.com. Hier finden Sie alle Infos zu uns und können ein wichtiges Bürgerschaftsprojekt mitgestalten!
Eure / Ihre Stiftung Kienhorstpark i. E. - Safe Housing for Women 👩